Samstag, 7. April 2012

Unsere nächsten Vorträge


Im Moment sind grad keine Vorträge geplant. Wir sind viel zu beschäftigt mit unserem kleinen Söhnchen und dem Bau eines Strohballen-Hauses für uns drei... Aber wir können natürlich gerne wieder mal einen Vortrag machen - Bei Interesse meldet euch bitte bei uns! 


Buchungen unter 0680/2455870  oder
                                    rucksacknomaden@treetastic.at



 

Montag, 11. April 2011

Fußmarsch Istanbul-Linz: Österreich





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Fußmarsch Istanbul-Linz: Slowenien





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Fußmarsch Istanbul-Linz: Kroatien





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Fußmarsch Istanbul-Linz: Montenegro





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Fußmarsch Istanbul-Linz: Albanien





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Fußmarsch Istanbul-Linz: Griechenland





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Fußmarsch Istanbul-Linz: Türkei





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Freitag, 1. April 2011

SORRY, dass der Blog noch nicht am aktuellen Stand ist

Leider war das mit dem Internet unterwegs nicht ganz so einfach... daher konnten wir den Blog noch nicht aktualisieren.
Aber wir kommen am Samsatg, den 2. April in Linz an und dann werden wir natürlich so bald wie möglich alles wieder auf den neuesten Stand bringen und auch die Fotos von unserem Fußmarsch reinstellen!!

Samstag, 20. November 2010

Zu Fuß von Asien nach Österreich

Endlich ist es soweit und wir beginnen mit einem völlig neuen Reiseabschnitt, der ultimativen Herausforderung - Wir gehen von Istanbul heim! Von Asien nach Österreich!
Vor uns liegen ca. 3000km quer durch Europa - von der Türkei nach Griechenland und über Albanien, Montenegro, Kroatien und Slowenien nach Österreich!
Wir werden versuchen euch auf unserem "Letzte News"-Blog so gut es geht immer auf dem letzten Stand zu halten.
Wünscht uns Glück und starke Beine!

Freitag, 19. November 2010

Sonntag, 14. November 2010

Von Ölüdeniz nach Kusadasi





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Unsere Reise entlang der westlichen Mittelmeerküste verlief relativ unspektakulär, aber gemütlich. Die großen Sehenswürdigkeiten gibt es hier zwar nicht, aber wir tingelten gemütlich von Ortschaft zu Ortschaft und genossen die inzwischen menschenleeren Strände und die ruhigen Campingplätze, die wir meist für uns allein hatten.
In Ölüdeniz schauten wir kurz am „schönsten Strand der Türkei“ vorbei. Der weiße Sandstrand, der in einer schönen, ruhigen Bucht liegt ist in der Hochsaison maßlos überfüllt (was ihn dann gleich viel weniger schön macht), war aber jetzt halbwegs ruhig. Leider verzog sich das Wetter am Tag unserer Ankunft und wir konnten dort nicht einmal baden gehen. Im Internet hatten wir gelesen, dass sich das Wetter weiter verschlechtern würde, weshalb wir uns einen gemütlichen, kleinen Campingplatz suchten, wo wir das Sauwetter in aller Ruhe aussitzen konnten. Nach 2 Tagen war der Spuk aber vorüber und es konnte weitergehen. Aber auch wenn dass Wetter tagsüber wieder traumhaft schön war, so merkte man schon den Herbst hereinkriechen – nachts kühlte es nun schon relativ rapide ab. Uns sonnenverwöhnten Gemütern können 14 Grad Tiefsttemperatur schon ziemlich zusetzen... An einem Campingplatz adoptierten wir sogar einen Kater, der bei uns im Zelt übernachten durfte – Zum einen, weil der arme Kerl in der Eiseskälte nicht alleine draußen frieren kann und zum anderen, weil so eine lebendige Wärmeflasche das Zelt zusätzlich aufheizt. Wie wir mit der Kälte zurechtkommen sollen, wenn wir dann von Istanbul heimgehen, kann ich mir noch nicht so ganz vorstellen, aber man soll sich ja an alles gewöhnen können...
In Milas und Kuşadasi hatten wir dann das Glück an den großen Markttagen durch die Stadt zu kommen. Stundenlang wühlten wir uns dort durchs Gedränge auf der Jagd nach Schnäppchen und Notwendigkeiten. Von der neuen Trainingshose bis zur Weinblattrouladenmaschine haben wir jetzt alles! Aber Kuşadasi gefiel uns nicht nur wegen dem Markt – Wir fanden einen netten Campingplatz direkt im Zentrum, es gibt eine nette Strandpromenade und im Hafen kann man am Abend super Tintenfische angeln. Was will man mehr?

Die Schlucht von Saklikent





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Bisher waren wir mit Kevins Eltern schon in Ruinen, in Höhlen, auf Bergen, am Meer, bei Seen und auf einem Vulkan – Eine richtige Schlucht ging uns noch ab.
Die Schlucht von Saklıkent ist ein 18km langer, bis zu 300 Meter tiefer Spalt in den Akdağlar-Bergen. Sie ist so schmal, dass an vielen Stellen nicht mal ein Sonnenstrahl bis zum Boden der Schlucht gelangt, wo sich ein kleiner Fluss entlang schlängelt.
Ein paar hundert Meter hinein wurden Plankenwege gebaut - von da an muss man dann durch den eiskalten, schlammigen Bach waten. Meist ist das Wasser eh nur unterschenkeltief, was, wenn man sich an das eisige Wasser gewöhnt hat, überhaupt kein Problem ist, nur an manchen Stellen fällt es dann mal schnell auf Hüfttiefe ab. Im trüben, grauen Wasser des Baches sieht man das aber nicht und man muss ganz schön aufpassen nicht unfreiwillig schwimmen zu gehen. Wir marschierten, kletterten und wateten etwa 3 km in die Schlucht hinein und standen dann bei einem Wasserfall, der seitlich in den Canyon hineinfloss an. Nun war die Entscheidung: Weitergehen und eine eisige, nasse Dusche kriegen oder umkehren und beim Auto einen heißen Kaffee trinken – Wir entschieden uns für zweiteres. Otto hüpfte trotzdem, einer plötzlichen Eingebung folgend noch unter den Wasserfall, was seinem in der Hosentasche vergessenen Geldtaschl eine unfreiwillige Wäsche bescherte.
Zurück am Campingplatz genossen wir alle die wahrscheinlich beste und heißeste Dusche seit langem!

Kas





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Den ganzen Oktober schon war das Wetter eher wechselhaft gewesen und in Kaş waschelte es uns zum ersten Mal so richtig ein. Wir waren auf einem hübschen kleinen Campingplatz mit einem traumhaften Privatstrand und konnten nicht baden gehen. Helga versuchte es zwar hartnäckig in den kurzen Regenpausen sich an den Strand zu legen, aber es war einfach zu kalt. Erst nach etwa 2 Tagen kam dann die Sonne raus. Von einem Tag auf den nächsten war es wieder so richtig schön heiß und wir genossen den zurückgekehrten Sommer in vollen Zügen. Sonnebraten, lesen, baden, Wäschewaschen – das volle Schönwetterprogramm. In Kaş wollten wir erst eigentlich nur ein, zwei Tage bleiben, aber es gefiel uns dort so gut, dass eine Woche daraus wurde. Außerdem war der Ort einer der südlichsten Punkte am Mittelmeer – von da an würde es nur noch Richtung Norden gehen und somit kälter werden. Da verschiebt man die Weiterreise gerne noch um einen Tag oder 2...

Olympos - Römer, Hippies und brennende Steine





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Olympos war früher der Treffpunkt der Mittelmeerhippies und ist wohl immer noch eine der alternativsten Ecken der Türkei. Im Reiseführer wurden vor allem die tollen Unterkünfte in Baumhäusern angeboten, die ein einmaliges Erlebnis sein sollen. Es sollte auch ca. ein Dutzend Campingplätze in dem kleinen Dorf geben – Wir fanden keinen einzigen und die Baumhäuser sind auch keine wirklichen Baumhäuser, sondern eher auf Stelzen gestellte Gartenhütten. Eine unbefestigte Straße führt quer durch den Ort und endet beim Parkplatz zu den örtlichen Ruinen. Dort stellten wir unser Auto ab, zahlten die doppelte Parkgebühr und konnten auch die Nacht über stehen. So ein Wohnmobil hat schon seine Vorteile: Man ist nicht unbedingt auf einen Campingplatz angewiesen, sondern kann auch mal einfach nur parken – Wasser, Strom und Klo hat man ja mit. Da wir nun schon auf dem Ruinenparkplatz standen, beschlossen wir die Ortsbesichtigung noch ein wenig zu verschieben und uns gleich die Ruinen anzuschauen. Die liegen in einem tiefen, schattigen, bewaldeten Tal entlang eines kleinen Flusses, der ins Meer mündet. Die meisten der alten Gemäuer sind schon fest mit dem umliegenden Wald verwachsen und man spaziert auf kleinen Wegen von Ruine zu Ruine. Die antike Stadt Olympos war schon im 2. Jhd v. Chr. eine wichtige lykische Stadt. Bis ins 15. Jhd. hatten dann auch noch die Römer, die Venezianer, die Genueser und die Johanniter ihre Spuren hier gelassen. Heute kann man noch die Überreste einer Kirche, eines Apollontempels, eines Theaters und unzähliger Felsengräber (unter anderem das von Marc Aurel) besichtigen. Aber irgendwann sind alte Steine einfach nur das: Alte Steine.
Die Ortsbesichtigung fiel dann auch eher kurz aus, da alles was mit Touristen zu tun hat schön langsam für die Saison dicht macht und das ist in Olympos nun mal so gut wie jedes Haus. Nur mehr eine Hand voll Unterkünfte und ein, zwei Restaurants waren in Betrieb. Wir entschieden uns für eins bei dem die Köfte (gegrillte Fleischbällchen) besonders lecker ausschauten. Die Überraschung war groß, als wir genussvoll ins Fleisch bissen – dem Geschmack nach war es nämlich nicht das geglaubte Rind, sondern Lamm. Helgas Köfte müssen aus altem Ziegenbock gemacht worden sein. Wenn sogar Otto, der normalerweise Lamm gerne isst während dem Kauen besser nicht atmet... Da half auch der Rakı, den wir nach dem Essen tranken nicht sonderlich viel. Der Hammelgeschmack blieb uns noch bis am nächsten Tag erhalten.
Der Verdauungsspaziergang zu den Flammen der Chimaira kam uns da echt gelegen. Auf einem Hügel nahe Olympos treten brennbare Gase aus dem Berg aus. Schon in der Antike brannten schlugen hier Flammen aus dem Fels – angeblich damals so hoch, dass man sie vom Meer aus sehen konnte. Klar, dass so ein Naturphänomen der Stoff für Legenden ist. Nach der griechischen Mythologie lebte auf diesem Berg die Chimaira, ein Feuer speiendes Ungeheuer das teils Löwe, teils Ziege und teils Drache war. Der große Held Bellerophon bestieg sein geflügeltes Pferd Pegasus und forderte die Chimaira zum Kampf heraus. Natürlich besiegte er das Ungetüm und stieß es mit seiner Lanze unter die Erde. Bis zum heutigen Tage spuckt die Chimaira nun Flammen...und lustige Touristen können sich heute an ihrem feurigen Atem Zigaretten anzünden, darin herumstochern oder davor für ein Foto posieren.
Wir hatten uns nicht zu viel von den Flammen erwartet, da man die Flammen normalerweise nur Nachts gut sieht und sie unter Tags oft nur schwer auszumachen sind. Aber wir hatten echt Glück und die Chimaira war feuerspeiend aufgelegt... oder es war Hochdruck, hohe vulkanische Tätigkeit oder sonst irgendein Zustand, der für hohe Flammen günstig ist. Auf dem ganzen Hang züngelten die Feuer aus dem Fels – als hätte jemand dahinter den Gashahn aufgedreht. Einfach magisch!
Wir hätten echt was zum Grillen oder wenigstens einen Topf Wasser zum Kaffeekochen mitnehmen sollen!

Entlang der Mittelmeerküste: Alanya, Antalya, Side und Beldibi





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Je weiter wir uns die Küste Richtung Westen fuhren, desto touristischer wurde es. Die erste Touri-Hochburg war Alanya, das wir uns zwar anschauen wollten, aber uns im Verkehrschaos der Stadt verirrten und nach einigen erfolglosen Versuchen einen Parkplatz zu finden aufgaben und fluchtartig die Stadt verließen.
In Side, der nächsten Stadt, legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um uns die berühmte Altstadt und die Ruinen, die hier mitten in der Stadt stehen anzuschauen. Obwohl jetzt am Mittelmeer schon absolute Nebensaison ist, war es hier noch gesteckt voll mit Urlaubern. Wenn man in einer türkischen Stadt mal fast nur Deutsch hört, kann was nicht stimmen. Uns war der ganze Touristen-Heckmeck viel zu viel und so fuhren wir schnell wieder weiter. Die nächste Stadt, Antalya verhieß aber nicht weniger Pauschaltouristenstress, Souvenirshops und überteuerte Läden. Trotzdem waren wir echt motiviert uns dieses Parade-Urlaubsziel (wenn auch kurz) anzuschauen. Als es aber dann unmöglich war einen Campingplatz in der Nähe der Stadt zu finden gaben wir auch hier wieder auf und fuhren die Küste entlang weiter – immer auf der Suche nach einem Campingplatz.
In Beldibi, einem kleinen Nest am Meer, wurden wir dann fündig – gemütlicher Campingplatz direkt am Meer und eine nette Einkaufsstraße mit unzähligen kleinen Souvenirshops. Was auf den ersten Blick so idyllisch aussah, zeigte bald sein wahres Gesicht: Der Campingplatz lag direkt zwischen 2 Großdiskotheken, unter Tags belagerten hunderte russische Urlauber den Strand und die Geschäfte waren auch voll und ganz auf Russen ausgelegt und verkauften hauptsächlich teure Pelzjacken, teuren Schmuck, Mode, die so ganz und gar nicht unserem Geschmack entsprach und Bars, die Vodka verkaufen...
Schön langsam hatten wir echt genug von den urlaubenden Massen und sehnten uns nach etwas Ruhe und Gemütlichkeit. Der nahe gelegene, ehemalige Hippieort Olympos kam uns da gerade recht.


Anamur





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Als wir in die Gegend von Anamur kamen, war uns ziemlich schnell klar, dass der Tourismus hier nicht die Haupteinkommensquelle ist, obwohl sie durchaus auch einiges zu bieten hätten. So weit das Auge reicht erstrecken sich hier Glashäuser mit Bananenstauden. Die Anamurbanane ist in der ganzen Türkei bekannt – sie ist zwar ein gutes Stück kleiner als unsere genormten Chiquitaschönheiten, aber geschmacklich um einiges besser. Ein Bananengroßeinkauf war also das Erste, was wir in Anamur machten.
Wir nisteten uns auf einem staatlichen Campingplatz ein, der zwar etwas außerhalb der Stadt, dafür aber in der Nähe der berühmten Mamure Kalesi – der örtlichen Festung liegt. Diese Burg ist noch relativ gut erhalten und mit ihrer Lage direkt am Meer echt beeindruckend. Das Beste an der Festung war jedoch, dass sie weder überrestauriert noch mit Geländern und Absperrungen verschandelt ist. So konnten wir überall rein und raufklettern, die Burgmauern entlangspazieren und die geniale Aussicht rundum genießen. Wir kletterten auf den Mauern herum, auf denen sich normalerweise nur die Eidechsen tummeln.
Am Abend versuchten wir an die Calamarifangerfolge von Kizkalesi anzuschließen. Wir mussten aber schnell einsehen, dass uns das nicht gelingen wird. Es war zwar ein Küstenverlauf, der Tintenfischen grundsätzlich zusagen würde, aber es tummelten sich so viele Karettschildkröten im Wasser, dass ein Fangerfolg mit ziemlicher Sicherheit ausblieb. Ein örtlicher Fischer hatte uns vorher schon gewarnt, dass sämtliche Fische fliehen, wenn eine caretta caretta in der Nähe ist. Also ließen wir das Fischen sein und bewunderten diese seltenen Schildkröten aus nächster Nähe, wie sie im Wasser tümpelten. Normalerweise ist es eine Seltenheit mal EINE dieser Meeresschildkröten zu Gesicht zu bekommen und wir sahen gleich VIER an einem Fleck. Und das war nicht einmal das erste Mal am Mittelmeer, dass wir eines dieser faszinierenden Geschöpfe zu Gesicht bekommen hatten. Als Kevin eines Abends in Kizkalesi angelte, tauchte direkt vor ihm eine riesige Karettscchildkröte auf, schaute ihn kurz an und verschwand dann wieder in der Tiefe. Sie war so nahe, dass er sie fast mit der Spitze der Angelrute berühren hätte können.
Übrigens: Der türkische Fischer hatte Recht – Dies war der einzige Tag in Kizkalesi an dem Kevin keinen einzigen Tintenfisch fing.
Nach 2 Tagen in Anamur packten wir wieder zusammen und fuhren weiter. Am anderen Ende der Stadt legten wir aber noch einen Halt ein um uns die zweite große Touristenattraktion Anamurs anzuschauen – die antike Stadt Anemurion. Es stehen heute zwar nur noch die Grundmauern dieser einst großen Stadt, aber dafür, dass sie schon seit dem 6. Jhd nicht mehr wirklich bewohnt ist, ist sie noch ganz gut erhalten. Besonders die Überreste des Hammams (Badehaus) und des Theaters waren beeindruckend – teilweise war sogar noch der fein gelegte Mosaikboden zu sehen.

Himmel und Hölle





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Bei unserer Tour entlang des Mittelmeers nahmen wir natürlich am Weg liegende Sehenswürdigkeiten auch noch mit. Cennet ve Cehennum (Himmel und Hölle) war einer von diesen Zwischenstopps. Es handelt sich hierbei um eine große Höhle, die inmitten einer wunderschönen Schlucht liegt. Um zum „Himmel“ (der 250m breiten Höhlenöffnung) zu gelangen mussten wir erst mal 452 Stufen ins Tal hinuntersteigen. Dort stehen auch die Überreste einer kleinen, fotogenen Kapelle aus dem 5. Jhd. Wir gaben uns natürlich nicht mit dem Himmel allein zufrieden, sondern mussten auch noch den Zugang zur Hölle erkunden. Leider waren wir so schlau und ließen die Taschenlampen sicher versperrt im Auto, anstatt sie in die Höhle mitzunehmen. Deshalb tasteten wir uns praktisch blind immer tiefer in die Höhle hinein – immer den Handydisplays und Taschenlampen der Anderen folgend...
Je weiter wir in die Höhle vordrangen, umso deutlicher war ein lautes Grollen zu vernehmen. Dieses Geräusch stammte zwar nicht vom schrecklichen Höllenungeheuer, so wie es sich für eine anständige Höllenhöhle gehören würde, sondern von dem unterirdischen Fluss, der in der Tiefe der Höhle rauscht – Der Legende nach fließt dieser jedoch direkt in den Styx, jenen Fluss der griechischen Mythologie, der die Grenze zwischen unserer Welt und der Unterwelt bildet.
Nachdem wir es wieder aus der Hölle heraus in den Himmel und über die 452 Stufen hinauf in die wirkliche Welt geschafft hatten, schauten wir uns auch noch eine nahe gelegene Tropfsteinhöhle an. Das feucht-warme Klima dieser Höhle soll angeblich gut gegen Asthma sein. Der Eingang zu der Höhle führt über eine kleine Wendeltreppe, die zwischen unzähligen Souvenirshops im Boden verschwindet. Wir erwarteten uns nicht all zu viel von diesem „Loch im Boden“ doch als wir unten ankamen waren wir wirklich überrascht: Wir traten in eine riesige Halle voller stilvoll beleuchteter, wunderschöner Tropfsteinformationen. Auf kleinen Pfaden konnte man zwischen den gigantischen Felsskulpturen wandern. Auf unserer Reise haben wir schon einige Tropfsteinhöhlen gesehen, aber diese ließ auch uns noch mal so richtig staunen...
Ob die Luft jedoch wirklich so gesund sein soll bezweifeln wir – es sei denn abgestandene Achselschweißmiefluft ist bei der Heilung von Asthma förderlich...

Kizkalesi





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Von Şanliurfa ging es in einem Mördertag über 500km bis Kizkalesi am Mittelmeer. Hier wollten wir ein paar Tage Ausspannen und uns von der Fahrerei der letzten Tage erholen. Den Campingplatz, den wir im Reiseführer gefunden hatten gab es, wie sich herausstellte schon über 2 Jahre nicht mehr, aber wir kamen im Garten einer kleinen Pension unter.
Die Besitzer kümmerten sich reizend um uns und brachten uns immer wieder frisches Obst oder kleine Teller mit türkischen Speisen zum Probieren vorbei.
Kevin verbrachte jeden Abend von ca. einer Stunde vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang am Meer. TINTENFISCHANGELN!!!!! Der Platz war ideal für diese kleinen tintenden Kerlchen!...und unser Speiseplan gestaltete sich dementsprechend – Tintenfischpfanne mit Knoblauch, Tintenfischringe, frittierte Tintenfische,...mjammi!
Als wir uns dann voll und ganz an Calamari abgegessen hatten (es dauerte immerhin knapp eine Woche) konnten wir dann weiterfahren – immer die Mittelmeerküste entlang, von einem schönen Platz zum Nächsten...
Es war am Campingplatz so gemütlich gewesen, dass wir es erst bei unserer Abreise aus Kizkalesi schafften uns auch das Zentrum der Stadt anzuschauen – eine echt nette Kleinstadt mit wunderschönem Strand und Uferpromenade und der beeindruckenden Mädchenburg, die auf einer kleinen Insel 200m vor der Küste thront. Irgendein König ließ diese Festung für seine Tochter bauen nachdem ihm prophezeit worden war, dass diese an einem Schlangenbiss sterben würde. So weggesperrt vom Festland und in vermeintlicher Sicherheit könne sie ihrem Schicksal entrinnen, meinte er...Die Schlange biss die Kleine aber trotzdem – Sie hatte sich ausgerechnet in einem Fruchtkorb, den ihr der Vater schicken ließ versteckt. So ein Pech aber auch!

Sanliurfa





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Nach der relativ europäisch wirkenden Schwarzmeerküste und dem übertouristischen Kappadokien wollten wir Kevins Eltern noch ein wenig orientalische Kultur zeigen. Das nahe der syrischen Grenze liegende Şanliurfa war da perfekt mit seinen engen duftenden Bazaargassen, schnurrbärtigen Männern in şalvars (traditionellen arabischen Pluderhosen), Teestuben in schattigen Innenhöfen und unzähligen alten Moscheen. Man glaubt sich eher in Syrien als der Türkei.
Şanliurfa ist aber nicht nur eine Stadt mit Flair, sondern auch mit Geschichte. Abraham (der auch im Islam ein großer Prophet ist) soll hier zur Welt gekommen, gelebt und gewirkt haben. Die Legende besagt, dass er einmal heidnische Götzenbilder zerschmettert haben soll, was ihm der damalige König Nimrod ziemlich übel nahm. Für sein impulsives Verhalten wollte er ihn auf dem Scheiterhaufen hinrichten lassen. Nur hatte der „böse König“ nicht damit gerechnet, dass Abraham ja Gott auf seiner Seite hatte, welcher spontan das Feuer des Scheiterhaufens in Wasser und die glühenden Kohlen in Fische verwandelte. Von der Wucht dieses Wunders wurde Abraham angeblich in die Luft geschleudert und landete sanft auf einem Rosenbeet (autsch!). Unterhalb der Festung in der Nimrod gelebt haben soll befindet sich heute ein Park indem dieser Legende nachgekommen wird – in Teichen schwimmen hunderte heilige Karpfen und es gibt einen zauberhaften Rosengarten.
Wir besichtigten natürlich sowohl die Festung, die über der Stadt thront als auch den darunter liegenden Park, wo wir den flanierenden Einheimischen beim Fische füttern zuschauten.
Danach zog es uns zum Markt, wo wir unsere Bäuche und Einkaufstaschen mit Leckereien auffüllten.
Die Nacht verbrachten wir, dank des Tipps eines anderen Wohnmobilreisenden, auf einem Parkplatz gegenüber einer Edelhotelanlage. Auch wenn dieser „Campingplatz“ weder Stromanschluss noch Dusche hatte, so war er wenigstens wirklich zentral gelegen und mit umgerechnet 2€ fürs Parken echt billig.

Nemrut Dagi





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Vom Erciyes Daĝi fuhren wir direkt weiter zum nächsten Berg - dem Nemrut Daĝi. Dieser Gipfel ist mit 2150m zwar bei weitem nicht so hoch wie der Erciyes, aber deshalb nicht weniger spektakulär.
Irgendein größenwahnsinniger König hat hier nämlich im 1. Jhd. v. Chr. am Gipfel des Berges eine 50m hohe künstliche Spitze mit 3 Terrassen aufschütten lassen. Unter diesem Schotterhaufen liegen nun wahrscheinlich die Gräber dieses Königs und ein paar seiner weiblichen Verwandten (- aber keiner hat bisher rein gebuddelt und nachgeschaut...)
Auf den Terrassen selbst stehen gewaltige Statuen bzw. deren Körper. Die Köpfe sind schon lange durch Erdbeben herunter gepurzelt und starren nun ausdruckslos in die Ferne – echt surreal.
Schon allein bei der Anreise kommt man sich in eine andere Realität versetzt vor – so enge Haarnadelkurven und steile Anstiege widersprechen eigentlich sämtlichen Gesetzen der Physik! Wäre unser Auto nur um eine Spur länger hätten wir es nicht bis rauf geschafft. Allein der Parkplatz knapp unter dem tatsächlichen Gipfel hat fast ein Gefälle wie eine Skisprungschanze.
Die letzten paar hundert Meter legten wir dann noch zu Fuß zurück. Oben angekommen ließen wir die mystische Stimmung der Statuen und 2 Meter großen Steinköpfe auf uns wirken...aber nicht all zu lange, da das Wetter zusehends schlechter wurde. Doch der rasche Abstieg half auch nichts mehr – als wir beim Auto ankamen, waren wir patschnass!

Ercies Dagi (3916m)





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Der 3916m hohe Vulkan Erciyes Daĝi nahe der Stadt Kayseri ist inzwischen schon lange inaktiv. Vor einigen tausend Jahren hatte er es aber in sich. Er (und ein paar andere Vulkane rundherum) spuckten Unmengen an Asche und Gestein aus, das das heutige Kappadokien völlig bedeckte. Im Laufe der Zeit verwandelten Wind und Regen die Landschaft in das zerklüftete, faszinierende Labyrinth das es heute ist.
Wir lasen in einem Touristen-Pamphlet, das es möglich (und technisch nicht mal so schwierig) ist diesen fast-4000er zu besteigen. Kevin war sofort hell auf begeistert und hörte erst dann zu bitten und drängeln auf, als wir beschlossen uns diesen Übeltäter aus der Nähe anzuschauen.
Heute ist das Gebiet um den Erciyes Daĝi eines der wenigen Skigebiete der Türkei. Im Sommer ist es hier aber praktisch menschenleer. Wir hatten den riesigen Skigebietsparkplatz für uns allein (bis auf einige Bauarbeiter, der die Sommersaison für Umbauarbeiten nutzten) und campten gratis im Schatten des grauen Riesen.
Da der Skilift in der Nebensaison nur sehr unregelmäßig fährt und uns eine Sonderfahrt umgerechnet 200€ gekostet hätte beschlossen wir am nächsten Tag einfach früher zu starten und die kurze Strecke, die der Sessellift fahren würde einfach bei der Besteigung zu Fuß dranzuhängen. Helga und Otto beschlossen zwar auch ein Stück hinaufzugehen, aber nicht die ganze Strecke bis zum Gipfel. Deshalb starteten sie etwa 2 Stunden nach uns.
Wir brachen im Morgengrauen auf und stapften die Lifttrasse hinauf. Nach gut einer Stunde waren wir schon oben in der Bergstation – gut gesparte 200€!
Schon im Hinaufgehen sahen wir die beunruhigenden Wolken, die über dem Gipfel hingen und die starken Windböen machten uns schon in den tieferen Lagen das Vorankommen schwer. Mühsam arbeiteten wir uns zum Kraterrand hinauf. Dort war der Wind jedoch so stark, dass wir uns teilweise hinsetzen mussten um nicht in die Tiefe gewachelt zu werden. Wir versuchten es gegen den Wind gestemmt noch weiter zu kommen, aber die Windböen kamen zu unregelmäßig und plötzlich, dass es zu gefährlich gewesen wäre weiter zu gehen.
Aber obwohl wir die letzten 500 Höhenmeter bis zum Gipfel nicht rauf konnten, war es den Versuch allemal wert – Die Aussicht vom Kraterrand war atemberaubend!
Bei der Bergstation trafen wir dann Helga und Otto wieder. Nach einer „Gipfeljause“ machten wir uns gemeinsam an den Abstieg - gerade rechtzeitig. Denn als wir unten beim Auto ankamen begann es zu regnen. Waren wir froh in dem Moment nicht mehr in Gipfelnähe zu sein!

Kappadokien





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Helga und Otto hatten uns ja schon von der genialen Landschaft Kappadokiens vorgeschwärmt und auch von Bildern kannten wir die wunderschönen Gesteinsformationen der Gegend, aber was uns dort dann erwartete übertraf sämtliche Erwartungen: Kappadokien ist DER Outdoor-Spielplatz! - bizarrste Felsformationen, auf denen man herum klettern kann, natürliche Nischen und Spalten, Türme und Zacken und zusätzlich dazu sind viele der Felsen bearbeitet. Höhlen, Grabkammern, Mausoleen, Wohnhäuser, Kirchen und Klöster – alles direkt in den Stein gehauen. Diese vor sich hin bröckelnden „Gebäude“ kann man (sofern man ein bisschen abseits der ausgelatschten Touristenpfade unterwegs ist) ungestört erkunden, darin herumkraxeln und erforschen.
Dieser Riesenklettergarten startete direkt hinter unserem Campingplatz in Göreme und wir verbrachten mehrere Tage damit in der Gegend spazieren zu gehen und in den Ruinen zu spielen.
An einem Tag machten wir einen Ausflug in ein etwas entlegeneres Tal. Laut unserem Reiseführer sollten es 4 km sein. Als wir nach laaaaannngen 4 km am vermeintlichen Ende des Tals ankamen, stellte sich heraus, dass wir erst auf etwa Halbstrecke waren. Die Gesamtstrecke waren statt 4km nämlich 14!km – Danke Lonely Planet für den falschen Maßstab auf der Karte!
Der Vorteil der ganzen Sache war aber, dass wir es wieder mal geschafft hatten, den in Kappadokien so lästigen Touristenmassen zu entkommen. Wir spazierten durch Weintraubenfelder, kletterten über kleine Schafsteige zu entlegenen Felsenkirchen und Gräbern in denen noch menschliche Gebeine lagen und furteten mehrere male den Fluss, der durchs Tal floss. Als wir dann endgültig in den touristischeren Teil des Tals kamen, konnten uns die dortigen Felsenkirchen dann nicht mehr umhauen. Ein weiterer Vorteil war, dass uns Otto, der nicht mit uns mitgegangen war, am anderen Ende des Tals mit dem Auto abholte. Das ganze Tal wieder zurück latschen hätte uns nämlich echt nicht mehr gefreut.
Nach mehreren Tagen des Herumkletterns und Erkundens wollten wir uns als „krönenden Abschluss“ noch das berühmte Freilichtmuseum von Göreme anschauen – Als wir am Weg dorthin jedoch die Touristenmassen, Plankenwege und Absperrungen sahen, machten wir am Absatz wieder kehrt: Wir hatten schon so viele Felsenkirchen und Höhlen gesehen, dass uns DAS auch nicht mehr beeindrucken konnte. Außerdem, wo ist denn der Spaß am Ruinen-Erkunden, wenn man nur auf Plankenwegen gehen darf und überall dort, wo es interessant wäre, abgesperrt ist? Wir sind da echt lieber ein bisschen individueller unterwegs. Da kam uns der nahe gelegene Vulkan Erciyes Daĝi gerade recht. Dieser graue Riese richtete vor langer Zeit den Saustall an, der sich mit Hilfe von Wind und Regen in die beeindruckenden Felsformationen Kappadokiens verwandelt hat.

Familientreffen und die Schwarzmeerküste





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Nach Tagen und Wochen des Zeittotschlagens und Stundenrumbiegens in Ägypten, war es am 11. September endlich so weit – wir hatten unseren Flug nach Istanbul und starteten so in einen neuen Reiseabschnitt. Wir waren echt schon gespannt wie das werden würde: Nicht mehr mit dem Rucksack, sondern mit dem Wohnmobil, nicht mehr von Hostel zu Hostel tingeln, sondern im eigenen Gefährt von Destination zu Destination gekarrt werden....

Nach der Landung bangten wir noch, ob auch alles gut gegangen sein mag und es Kevins Eltern auch wirklich rechtzeitig zum Flughafen geschafft haben, aber als wir dann in der Ankunftshalle schon die Österreichfahne von weitem wehen sahen, waren unsere Zweifel schnell zerstreut. Schon Sekunden später konnten wir Helga und Otto nach fast 4 Jahren wieder in die Arme schließen!

Im Auto wurde dann gleich mal das Wiedersehen gefeiert und mit österreichischem Weizenbier und türkischem Rakı auf eine gemeinsame Reise angestoßen.

Am Campingplatz wurden wir dann gleich mit Geschenken und Köstlichkeiten aus der Heimat überschüttet – Leberkäse, Knabbernossis, Weizenbier, Landjäger, …. und kiloweise Milkaschokolade für Marita und Haribos für Kevin.

Nachdem die erste Begrüßungseuphorie verflogen war, mussten wir uns Gedanken darüber machen, was wir alles machen wollten bzw. wo wir mit dem Reisen beginnen sollten. Helga und Otto waren zwar schon zum dritten Mal in der Türkei, aber das erste Mal als Individualreisende und die extensive Reiseführerstudie hatte eher zur Verwirrung beigetragen, als das sich eine klare Reiseroute herauskristallisiert hätte.

Aus klimatischen Gründen entschieden wir uns die Schwarzmeerküste zuerst zu bereisen und uns dann langsam Richtung Kappadokien im Landesinneren vorzuarbeiten. Am Mittelmeer, so entschieden wir, ist das Wetter am längsten warm. Mit diesem groben Plan ausgestattet fuhren wir los, ließen uns aber noch alle Türen offen – Wenn Reisen Spaß machen soll, muss man flexibel bleiben!

Auf den engen Küstenstraßen am Schwarzen Meer wurden Ottos Fahrkünste gleich einmal herausgefordert – Haarnadelkurven, Schlaglöcher, unerwartete Verkehrsteilnehmer wie Esel, Traktoren oder Schubkarren, türkischer Fahrstil und gähnende Abgründe, die im tosenden Meer enden... Dafür wurden wir mit wunderbarer Aussicht, einsamen Stränden und touristenleeren Campingplätzen belohnt. Wir genossen die letzten schönen Sommertage am Schwarzen Meer (das zwar schon zu kalt zum Baden war, aber zum Sonnenliegen allemal reichte), ließen uns österreichisch bekochen, gingen Fischen und hangelten uns gemütlich von Campingplatz zu Campingplatz – immer gen Osten.

Maritas Geburtstag feierten wir dann auf einem wirklich gemütlichen Campingplatz nahe der Hafenstadt Sinop. Gemeinsam mit dem Campingplatzbesitzer Orhan und einigen anderen Campingplatzgästen wurde groß aufgekocht und der Griller angeworfen. Nach einigen Rakıs war dann auch schnell klar, dass das Ausprobieren von Maritas neuen Laufschuhen (ein Geschenk von Helga und Otto) noch einen Tag warten muss...

Von Sinop fuhren wir nur noch ein kleines Stück das Schwarze Meer entlang und bogen dann Richtung Süden ab – die magische Landschaft Kappadokiens wartete auf uns...


Freitag, 10. September 2010

Ägypten: Siwa Oase





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Siwa ist eine der abgelegensten Oasen Ägyptens. Im Radius von über 300km ist keine nennenswerte Siedlung und absolut nichts außer, Sand, Sand und noch mehr Sand...Wenn man nach Siwa kommt, nach stundenlanger Busfahrt durch die Wüste, hat man das Gefühl auf einer Insel gelandet zu sein. Es gibt hier immer noch mehr Eselskarren, als motorisierte Fahrzeuge, die Männer tragen blütenweiße Galabias und die Frauen sind komplett verschleiert, so dass man nicht einmal die Augen sieht, Dattelpalmen erstrecken sich bis zum Horizont und die kleinen, traditionellen Lehmhäuser verschmelzen praktisch mit den Ruinen der alten Festung Siwas.
Obwohl Siwa 20km breit und 80km lang ist spielt sich doch alles ziemlich im Zentrum ab und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind alle halbwegs nahe beieinander. Da es uns zu teuer war ein Fahrrad auszuleihen starteten wir halt per pedes los. Siwa war seit jeher ein Handelszentrum, weshalb man auch heute noch viele alte Ruinen der einstigen Tempel und Festungen sieht. Zu einem der berühmtesten frühen Touris, die Siwa besuchten gehörte Alexander der Große, der vom hiesigen Orakel erfuhr, dass er der Sohn von Zeus ist (was ihm wieder die offizielle Legitimation gab Herrscher über Ägypten zu werden). Diesem Orakeltempel statteten wir natürlich einen Besuch ab (auch wenn da heute keine Vaterschaftstests mehr gemacht werden). Wir wanderten stundenlang durch die Dattelpalmenhaine und schlugen uns die Bäuche mit den leckeren, picksüßen Früchten voll, schwammen in einer der Süßwasserquellen für die Siwa so berühmt ist und streunten durch die kleinen Gassen der alten Festung Shali, die im Zentrum von Siwa auf einem kleinen Hügel liegt.
Diese Oase hat echt etwas sehr magisches und relaxtes.
Siwa ist sicher das ganze Jahr über sehr ruhig...doch im Ramadan ist dieses Nest unter Tags praktisch komatös. Alle Leute verkriechen sich in ihren Häusern, fast alle Geschäfte sind geschlossen und kein einziges Restaurant hat geöffnet. Erst nach Sonnenuntergang erwacht die Oase zum Leben. Die Geschäfte sperren auf, die Shishacafés räumen ihre Tische und Stühle auf die Straße und bereiten die Pfeiffen vor, die ersten Restaurants bereiten Essen zu und die Straßen füllen sich mit Menschen. Es war für uns unmöglich unter Tags was zu Essen aufzutreiben, ein offenes Internetcafé zu finden oder mal wo einen Tee zu trinken. Den Tag verbrachten wir also meist mit unproduktivem Nichtstun (weil es einfach nichts zu tun GAB) und in der Nacht konnten wir nicht schlafen, weil da die Oase zum vollen Leben erwachte – Bauarbeiten um 3 in der Früh sind nicht unbedingt schlaffördernd.
Nach 2 Tagen in der Oase, nachdem wir den Großteil der Sehenswürdigkeiten gesehen hatten, beschlossen wir also wieder zurück nach Kairo zu fahren, wo sowohl die Futtersituation als auch die Internetlage bedeutend besser ist. Hier saßen wir nun die letzten Tage bis zu unserem Flug aus, schrieben an der Aktualisierung, schlugen uns die Bäuche mit billigen Sandwiches voll und plauderten mit den vielen anderen Reisenden, die sich auf der gemütlichen Dachterrasse des Hotels versammeln.
Während wir hier in Kairo auf unseren Flug warten, sind Kevins Eltern schon auf dem Weg nach Istanbul. Mit ihnen werden wir dann die nächsten Monate in ihrem Wohnmobil durch die Türkei, Griechenland und Italien reisen. Nicht mehr lange, dann kann Kevin seine Eltern, nach fast 4 Jahren wieder in die Arme schließen! Wir freuen uns echt schon riesig auf diesen neuen Reiseabschnitt!

Ägypten: Dahab





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Zu einem echten Ägyptenaufenthalt gehören für uns ein paar Ausspanntage in Dahab einfach dazu – Tee trinken, Shisha rauchen, von einer Polsterlandschaft in die nächste fallen, schnorcheln, plantschen und die Seele baumeln lassen.
In den letzten 5 Jahren seit unserem letzten Besuch hat sich Dahabs Erscheinungsbild stark verändert – große Anlagen mit Pools sind in die Höhe geschossen, anstelle der Ortsdisko gibt es jetzt ein Kinder-Spiel-Café, es gibt mehr Koffertouristen als Backpacker und anstelle vieler Polsterlandschaften sind Restaurants mit Tischen und Sesseln gerückt...Trotzdem hat es Dahab irgendwie geschafft sein entspanntes, individuelles Flair zu bewahren. Und nach all dem Kulturprogramm in Luxor war Dahab genau das Richtige. In den letzten 5 Tagen, die wir mit Maureen gemeinsam hatten, versuchten wir eine ausgewogene Mischung zwischen Urlaubsprogramm und Extremschweijern zu finden. Wir führten Maureen in die faszinierende Unterwasserwelt Dahabs ein und das Schnorcheln gefiel ihr so sehr, dass sie gar nicht mehr aus dem Wasser wollte. Das resultierte in einem massiven Sonnenbrand am Hintern (klar, das ist das, was man beim Schnorcheln am meisten aus dem Wasser streckt). So gab es zusätzlich zum Schweijerprogramm noch ein Beautyprogramm mit Joghurtpackungen am Hinterteil und eine kurze Leggin als Sonnenschutz für zukünftige Schnorcheltrips. Wenn wir grade nicht im Wasser waren, saßen wir in einer der unzähligen Polsterlandschaften, tranken Tee, rauchten Shisha und genossen die Meeresbrise. Diese letzten Tage mit Maureen vergingen echt wie im Flug und bald schon hieß es wieder Abschied nehmen, was uns ganz und gar nicht leicht fiel. Es hat echt gut getan wieder mal ein Familienmitglied bzw. eine gute Freundin um sich zu haben...
Nach Maureens Abreise mussten wir und dann überlegen, wie wir die restliche Zeit bis zu unserem Flug nach Istanbul rumkriegen würden. Der ursprüngliche Plan war eigentlich, noch einen Abstecher nach Jordanien und Israel zu machen, aber irgendwie hatten wir uns mit Dahabrelaxitis angesteckt, dass uns das ganze Transportorganisieren und Herumreisen so überhaupt gar nicht freute. Also beschlossen wir kurzerhand noch ca. ein bis 2 Wochen in Dahab zu bleiben und dann noch ein bisschen in Ägypten zu reisen. Aus den ein bis 2 Wochen wurde über ein Monat...Naja, Dahab ist einfach ZU gemütlich. Wir hatten uns unsere eigene Shisha gekauft, kochten unseren eigenen Tee und verbrachten so die meisten Tage mit gemütlichem herumschweijern, Zukunftspläne schmieden und massivem Ausspannen. Kevin entdeckte das Kartenspielen für sich und so verspielten wir ganze Nachmittage mit Rummy-Extreme-Marathons. Um nicht völlig von der Shisha-Paralyse übermannt zu werden, schafften wir uns mit unzähligen Schnorchelausflügen ein bisschen Abwechslung und Bewegung. Bald kannten wir jeden Schnorchelspot rund um Dahab. Das Napoleon-Reef kristallisierte sich bald als unser absoluter Liebling heraus – wunderschöne Korallen, tausende bunte Fische, weißer Sanduntergrund auf dem die Sonnenstrahlen reflektieren und geniale Farben und Muster produzieren und der lustigste „Sergeant Major“-Schwarm in ganz Dahab. Normalerweise flüchten diese kleinen schwarz-gelben Fische vor herannahenden Schnorchlern, dieser neugierige Schwarm von mehreren hundert Fischen kam jedoch immer zu uns her, wenn wir an dieser speziellen Stelle am Riff vorbei schwammen. Innerhalb kürzester Zeit treibt man dann inmitten eines riesigen Fischschwarms. Sie schwammen uns nach, beäugten uns von allen Seiten, spielten mit uns,...eine echt unwirkliche Erfahrung! Wir spielten viele, viele Stunden mit unseren kleinen geschuppten Freunden.
Nach so einem erfolgreichen Schnorcheltrip flackten wir uns dann meist noch ein paar Stunden an den Strand, was uns zu einer ziemlich guten Bräune verhalf. Am Abend gabs dann immer noch ein lecker Essen in unserem Stammrestaurant und eventuell ein Bierchen zum Nachtisch – Das Leben kann einfach SOOOO schön sein....
Nach gut einem Monat in Dahab mussten wir dann schweren Herzens Abschied von unserem „Zuhause“ nehmen, denn wir hatten nur noch gut eine Woche bis zu unserem Flug nach Istanbul und wollten auch noch eine der berühmten Oasen Ägyptens besuchen.
Good bye Dahab! Bis zum nächsten Mal!

Ägypten: Luxor





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Luxor war für uns der erste Ort auf dieser Reise an dem wir beide schon früher mal gewesen sind. Es fühlte sich irgendwie ein bisschen wie heimkommen an. Wir waren wirklich gespannt, wie sich Luxor in den letzten Jahren verändert hat, da unser letzter Besuch ja schon über 5 Jahre her ist. Wir quartierten uns in unserem Stammhotel ein, das sich Gott sei Dank kaum verändert hat...Naja, die Badezimmer haben sie saniert, wogegen wir natürlich gar nichts einzuwenden hatten.

Gleich am ersten Abend besuchten wir unseren alten Freund Ali bei seinem Shop im Bazaar. Der freute sich riesig uns wiederzusehen - besonders, weil er wusste, dass wir ein Geschenk von Otto für ihn mit hatten. (Helga und Otto hatten ihn nämlich bei ihrem letzten Ägyptenurlaub auch besucht und ihm da versprochen ihm ein Handy zu besorgen, da diese in Ägypten teuer und schwer aufzutreiben sind. Otto hatte darauf hin eine Handysammelmission gestartet und Maureen 5 Handys mitgegeben.) Ali lud uns gleich ein bei ihm zu wohnen und arrangierte für uns gleich alles, dass wir am nächsten Tag übersiedeln könnten.

Leider hatte Maureen irgendwo was falsches zu Essen erwischt und lag am nächsten Tag mit Durchfall flach, was nicht nur unseren Besuch bei Ali verhinderte, sondern auch unser geplantes Sightseeing-Programm erstmal auf Eis legte. Für Maureen gabs also strikte Bettruhe, Kamillentee und Knäckebrot, während wir Luxor erkundeten und über die Veränderungen der letzten Jahre staunten.

Als es Maureen dann wieder besser ging, starteten wir ganz sachte mit Sightseeing Light – erst ein bisschen im Luxortempel alte Steine und Hieroglyphen schauen und dann gemütlich mit einer Felucca (traditionelle Nil-Segelboote) in den Sonnenuntergang schippern. Nachdem das ganz gut gegangen ist, entschieden wir die Dosis für den nächsten Tag zu erhöhen. Wir starteten bald in der Früh und fuhren mit der Fähre über den Nil. Wir mussten Maureen unbedingt ein Stück Sahara zeigen und die Tafelberge rund um das Tal der Könige sind einfach atemberaubend. Wir mussten die relative Kühle des Morgens (ca. 30ºC) nutzen, da Luxor'sche Sommertemperaturen um die Mittagszeit unerträglich werden. Bei etwa 43ºC im Schatten braucht man echt nicht auf Wüstenberge klettern...

Die Aussicht von dort oben ist echt irre. Auf der einen Seite sieht man das gesamte Niltal, das sich wie eine grüne, fruchtbare Schlange durch die Wüste windet und auf der anderen Seite die endlose Weite der Sahara, bizarre Felsformationen und unter einem ganz klein das Tal der Könige mit seinen Touristenmassen, die wie Ameisen in den Grabhöhlen verschwinden und wieder herausgewuselt kommen. Um ca. 10 Uhr mussten wir aber schon wieder mit dem Abstieg beginnen, da die Hitze schön langsam auf Backofentemperatur anstieg. Zurück in Luxor bereiteten wir dann alles aufs Übersiedeln vor – Ali wollte uns auf jeden Fall beherbergen und die Chance mal das ländliche Ägypten zu sehen konnten wir Maureen auch auf keinen Fall vorenthalten.

Der Empfang in Alis Haus war echt herzlich. Alis Mutter umarmte Marita wie eine heimgekehrte Tochter und wollte sie gar nicht mehr loslassen. Kurz darauf saßen wir dann auf dem Boden im Wohnzimmer tranken Tee und quatschten über alte Zeiten. Am Abend wurden wir dann lecker bekocht – Ägyptische Hausmannskost ist einfach SOOOO lecker!

Am nächsten Morgen fuhren wir dann mit Ali wieder nach Luxor hinein – er zum Geschäftemachen und Arbeiten, wir zum Sightseeing-Programm abschließen. Der Karnak Tempel ist eine der größten Tempelanlagen in Ägypten und wir hatten gelesen, das er für viele Ägyptenreisende das absolute Highlight des Urlaubs war. Naja, wenn man großzügigerweise über die Touristenmengen hinwegsieht, ist er schon eine gigantische Anlage mit wunderschönen Hieroglyphen und riesigen Säulen...das Highlight in Ägypten sind für uns aber immer noch die Menschen und die Kultur.

Wir blieben insgesamt 2 Nächte in Alis Dorf, genossen die Gastfreundschaft der Leute, unternahmen ausgedehnte Spaziergänge in den Zuckerrohrfeldern rund ums Dorf und bekamen wieder einmal einen guten Blick hinter die Kulissen im ägyptischen Alltag. Danach mussten wir leider schon wieder weiter. Maureen hatte nur gut 2 Wochen in Ägypten und wir wollten ihr Dahab und das Rote Meer auch noch unbedingt zeigen.

Nach einem herzlichen Abschied von Alis Familie und all den Leuten in Alis Shop fuhren wir im Übernachtbus nach Dahab – der Schweijer-Hauptstadt Ägyptens.

Ägypten: Kairo





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Ägypten – endlich mal ein Land in dem wir schon vor der großen Reise einmal waren. Für Marita ist es schon das dritte mal und Kevin war sogar schon vier mal im Land der Pharaonen. Auch wenn wir vorher noch nie in Kairo waren, fühlte es sich ein bisschen wie heimkommen an – der süße Geruch von Wasserpfeiffen, die unmöglich nachzuahmenden HCHR-Laute der arabischen Sprache und die berühmte ägyptische Gastfreundschaft.

Um die „große Stadt“ (ca. 18 Mio. Einwohner) hatten wir bisher einen großen Bogen gemacht, aber da unser Flug hier ankam und wir uns in knapp einer Woche hier mit Maureen (Kevins Schwester) treffen würden, stürzten wir uns diesmal mitten rein in den Großstadtdschungel. Und wir wurden echt positiv überrascht – nach Delhi wirkt Kairo wirklich wie eine saubere, moderne westliche Metropole. So kam es zumindest uns vor... mehr dazu später...

In den fünf Tagen die wir bis zu Maureens Ankunft hatten, kundschafteten wir schon mal die Sehenswürdigkeiten ein wenig aus und nutzten die gute Internetleitung die wir im Hotel hatten um unserem Blog das lange überfällige facelifting zu verpassen.

Am 18. Juli war es dann soweit – nach über 3 1/2 Jahren konnten wir endlich wieder ein Familienmitglied des Koppensteinerclans in die Arme schließen. Maureen hatten wir sogar schon fast 4 Jahre nicht mehr gesehen, da sie bei unserer Abreise gerade auf Auslandssemester in Holland war! Wir waren echt happy unsere kleine Schwester/ beste Freundin wiederzusehen!!!!

Da wir aber nur gut 2 Wochen gemeinsam Zeit hatte mussten wir etwas Gas geben und so starteten wir in Kairo gleich mit dem vollen Sightseeing- Programm. Für Maureen war es die erste Reise außerhalb Europas und deshalb war für sie schon Kairo eine Herausforderung. Es ist echt lustig wie viele Sachen Maureen aufgefallen sind, die wir schon gar nicht mehr sehen, weil es für uns einfach Alltag ist. Zum Beispiel dass die Gehsteige 30cm hoch sind und keine Aufgänge haben oder dass Ampeln reine Ziergegenstände sind, die keiner beachtet. Dass man beim Straßenüberqueren auf seine verkehrsstromteilenden „Mosesmächte“ vertrauen muss und dass einem Ägypter im Gegensatz zu Österreichern einfach sagen wenn ihnen deine Frisur gefällt.


Gleich am Tag nach Maureens Ankunft begannen wir mit dichtem Sightseeing-Programm. Wir wollten ihr einfach so viel wie möglich von diesem faszinierenden Land zeigen. Wir starteten gleich mal mit DEM Highlight eines jeden Ägyptenaufenthalts – den Pyramiden von Giza. Und auf richtige Rucksacknomadenmanier machten wir das Ganze natürlich nicht mit einer Tour, sondern individuell. Wir wussten, dass einer der Stadtbusse direkt zu den Pyramiden fährt, wussten auch, welche Nummer der haben soll, hatten aber Probleme den richtigen zu finden. Unsere arabischen Nummernlesekünste waren nämlich leider so eingerostet, dass wir zum Entziffern viel zu lange brauchten und der Bus nach erfolgreichem Lösen des Nummernrätsels schon lange an uns vorbei war. Also suchten wir aus der Unmenge von Stadtbussen einfach den Sympathischten aus, von dem ein Ägypter meinte, der könnte dort hinfahren, wo wir hin wollen. Mit einmal Umsteigen klappte es auch und wir stiegen direkt vor den Pyramiden aus.

Da die Pyramiden von Giza das absolute Must-See einer jeden Ägyptenreise sind, ist es auch dementsprechend touristisch. Wir entkamen dem Ganzen aber relativ gut, indem wir einfach alle „You want a Camel ride?“ und „Horseride, mister?“ gekonnt ignorierten (in Indien haben wir diese Fähigkeit perfektioniert) und einfach zu Fuß das Riesenareal abstapften. Nachdem wir der Sphinx hallo gesagt hatten marschierten wir einfach ein bisschen raus in die Wüste um einen Gesamtüberblick von den Ruinen zu bekommen. Gott sei Dank sind der Großteil der Touristen solche Herdentiere, dass sie immer zusammen bleiben und man, nur ein bisschen Abseits der Horden seine heilige Ruhe hat. Es fühlte sich fast an, als hätten wir die gesamten Pyramiden nur für uns allein.

Zurück bei den Tourgruppenmassen stellten wir uns dann an, um in eine der Pyramiden reingehen zu können – Wenn wir schon mal da sind, dann wollen wir auch mal sehen, wie diese Riesengräber von innen aussehen. In einem engen Gang geht man gebückt mehrere hundert Meter ins Innere der Pyramide. Es ist stickig, eng, spärlich beleuchtet und drückend heiß...Nicht unbedingt die ideale Umgebung für Klaustrophobiker! Am Ende des langen Ganges kommt man dann endlich in die Grabkammer – einem großen Raum mit einem steinernen Sarkophag, sonst nichts. (Alles was da einmal gewesen ist, ist jetzt im ägyptischen Museum ausgestellt.) Es ist echt ein schräges Gefühl da mitten in dieser Kammer zu stehen und zu wissen, das man mitten in einer der riesigen Pyramiden von Ägypten steht...

Am Tag nach den Pyramiden sahen wir uns dann all die Schätze an, die die Archäologen in ihren Grabräuberfeldzügen erbeutet haben. Das ägyptische Museum ist ein gigantischer Komplex voller Statuen, Hieroglyphen, Mumien, Sarkophagen und allen möglichen Grabbeigaben (von feinstem Goldschmuck über Einrichtungsgegenstände bis hin zu 3000 Jahre altem Brot und Fleisch). Wir wanderten stundenlang durch die riesigen Hallen und sahen nur einen Bruchteil der Ausstellungsstücke. Einfach irre!

Nach 2 Tagen Intensivsightseeing in Kairo gönnten wir unseren müden Fussis aber wieder keine Erholung sondern latschten quer durch die Stadt zum berühmten Khan al-Khalili, dem Touristenbazaar und der angrenzenden islamischen Altstadt mit ihren unzähligen Moscheen und alten Koranschulen. – Wir boten Maureen wirklich das volle Touristenprogramm! Im Gegensatz zu den meisten Touristen kriegte sie jedoch keine klimatisierten Busse und Lunchstopps in überteuerten Restaurants, sondern stinkende Stadtbusse und billige Straßensnacks. Ist zwar vielleicht nicht ganz so komfortabel, dafür aber ein Stück „echtes Ägypten“ ...besonders, wenn man jeden anstrengenden Sightseeing- Tag in einem der vielen, kleinen Straßencafés bei Tee und Shisha ausklingen lässt...

Von Kairo wollten wir runter nach Luxor und da auf dieser Strecke ein Zug verkehrt zogen wir den natürlich den ungemütlichen Bussen vor. Leider wurde daraus nix, weil es für Touristen nicht nur extra Regeln sondern auch noch extra Preise gibt. Von den Regeln wussten wir schon und damit hätten wir leben können, aber dass wir für den in Ägypten ohnehin teuren Zug auch noch das doppelte zahlen sollten, sahen wir nicht ein! Auf der Website von Egypt Railways fanden wir die normalen Preise und gingen davon aus dass wir die auch kriegen würden. Am Ticketschalter am Bahnhof staunten wir nicht schlecht, als uns der Kassierer nicht nur keine 2.Klasse-Tickets verkaufen wollte sondern auch noch für die 1.Klasse statt 90 Pfund 167 Pfund wollte. So nett Ägypter sind, aber manchmal kommt man sich hier echt vor wie eine wandelnde Geldbörse!

Wir ließen das ganze dann und nahmen für 90 Pfund einen VIP Bus nach Luxor.


Sonntag, 18. Juli 2010

Indien: Dharamsala





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Nach 2 Monaten im lauten, heißen, hektischen und dreckigen Tiefland Indiens sehnten wir uns nach etwas Abwechslung. Deshalb verzogen wir uns in die kühleren Berge im Nordwesten des Landes. Mit Dharamsala begaben wir uns mitten rein ins buddhistische Zentrum Indiens - dem Sitz der tibetischen Regierung im Exil und dem Zuhause von seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama.
Wir hatten uns wirklich eine Flucht aus Indien erhofft...und wurden enttäuscht! Es war zwar wirklich bedeutend kühler und etwas buddhistischer (sprich friedlicher), aber immer noch laut, chaotisch und dreckig !!!HUPHUP!!! Dem kann man in Indien wahrscheinlich fast nicht entkommen – Wo Straße, da HUP! Wo Leute, da Dreck!
Dharamsala bildet da keine Ausnahme. Das einzige woran man Dahramsala von anderen indischen Städten unterscheiden kann, sind die vielen Mönche in ihren weinroten Roben, die das Stadtbild aufpeppen.
Nach der Besetzung Tibets durch China musste der Dalai Lama 1959 aus Sicherheitsgründen nach Indien fliehen. Seitdem lebt und residiert er hier. Ihm sind viele Exiltibeter gefolgt und haben sich hier niedergelassen. Dharamsala ist nun ein Zentrum der tibetischen Kultur, die hier wieder auflebt, nachdem sie in Tibet von den Chinesen jahrzehntelang unterdrückt und zerstört worden ist (und immer noch wird).





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Hier trafen wir uns auch wieder mit Shalabh, einem Inder, den wir beim Trekken in Nepal kennen gelernt haben. Shalabh ist seit nun ca. 10 Monaten fast permanent am trekken im Himalaya. Zu unserem Glück plante er gerade wieder einen Hike und nahm uns mit - 5 Tage in der Natur, weit ab von herkömmlichen Trekkingrouten, weg von jeglicher Zivilisation, zu entlegenen Seen, über einen Pass mit ca. 4200m – genau das was wir wieder einmal brauchten! Nach 2 Monaten im landschaftlich eher langweiligen Tiefland hatten wir richtige Natur-Entzugserscheinungen!
Der Trek war wirklich toll. Wir hatten zwar etwas viel Regen und wurden bei einem Sturm auf 3000m fast mit unserem Zelt davongewachelt, aber sonst war es echt cool! Es tat echt gut wieder mal raus zu kommen – Wirklich unberührte Natur hat man in Indien nicht so oft!
Und wir machten eine erstaunliche Entdeckung: Die Vegetation in diesem Teil des Himalayas auf 2500m ist sehr ähnlich wie die in Österreich. Es war echt unglaublich, wie viele Pflanzen wir kannten: Löwenzahn, Klee, Spitzwegerich, Sauerampfer, Schafgarbe, Bärentatzen, Sumpfdotterblumen, Hänsel und Gretel, Vergissmeinnicht,... Da kriegten wir echt fast Heimweh...

Nach dem Trek verbrachten wir den Großteil unserer Zeit mit Extrem-Ausspanning und Indien-Vermeiding. Eigentlich wollten wir ja ursprünglich noch nach Rishikesh, der Yogahauptstadt Indiens, aber irgendwie hatten wir genug von Indien und so saßen wir unsere verbleibende Zeit aus und entspannten, genossen das gute, nicht scharfe, tibetische Essen und ließen uns von den ersten Monsunschauern einwascheln.
Dieses Sauwetter war wahrscheinlich auch der Grund für die leichte Verkühlung, die sich Kevin zuzog. Bei einer besonders ausgiebigen Schneuz-Session, schaffte er es, so einen Überdruck in seinem Kopf zusammenzubringen, dass er sein Innenohr beleidigte. Das resultierte in massiven Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Taubheit am linken Ohr. Da das ganze nach 2 Tagen noch nicht besser geworden war und wir von einem mexikanischen Telefon-Joker-HNO-Arzt (Vater eines Freundes) erfahren hatten, dass es sich um eine ernstzunehmende Entzündung handeln könnte, mussten wir so schnell wie möglich ins nächste gute Krankenhaus. Da man indischer Gesundheitsversorgung generell aber nicht trauen kann (und schon gar nicht auf dem Land), entschieden wir uns für eine Notevakuierung in ein Krankenhaus im 12 Stunden entfernten Delhi. Die Busfahrt war Hölle – Kevin war so schon reisekrank - auf jeden Fall vermittelte ihm das sein Gleichgewichtsorgan und er hatte permanent, auch im Ruhezustand, das Gefühl in einem Bus auf einer kurvigen Bergstrecke zu sitzen. Als er dann tatsächlich im Bus durch die Berge kurvte verdoppelte sich der Effekt nur noch – mit einem Wort: kotzübelspeigrausschlechtwäh!
In Delhi angekommen ging es gleich ins Krankenhaus. Zum Glück stellte sich heraus, dass sich das Innenohr nicht entzunden hatte, sondern nur eine mechanische Irritation vorlag. Der Doc verschrieb ihm ein paar Tabletten gegen Schwindel und Tinitus und meinte, dass das Ganze in einigen Wochen wieder vorüber sein müsste. Unserem Flug nach Ägypten stand also nichts mehr im Weg.
Wir saßen die letzten paar Tage in Indien aus, erledigten letzte Einkäufe und schickten noch ein Packl nach Österreich. Am 12.07. ging es dann endlich nach Ägypten! Good bye Shiva, Helllloooo Allah!

Indien: Amritsar - der Goldene Tempel





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Der Goldende Tempel von Amritsar ist der heiligste Tempel der Sikhs.
Wir wussten nicht so recht was wir zu erwarten hatten. Dass der Tempel an sich faszinierend und wunderschön ist war klar, aber über Sikhismus und die Mentalität der Sikhs hatten wir schon so viele unterschiedliche Dinge gehört...Von gastfreundlich, offen und anderen Religionen gegenüber tolerant bis schwer bewaffnet den Glauben verteidigend und feindselig allen anders gläubigen gegenüber war alles dabei. Davon mussten wir uns einfach selber ein Bild machen. Wir fuhren einfach mal hin und ließen uns überraschen.

Da die meisten wahrscheinlich nicht viel über Sikhismus wissen – hier mal eine kurze Zusammenfassung: Gegründet wurde die Religion im 15. Jhd in Punjab von Guru Nanak. Er betonte die Einheit der Schöpfung und predigte die Abkehr von „Aberglauben“, traditionellen religiösen Riten und sozialer Hierarchisierung entlang Religion, Herkunft und Geschlecht. Damit setzte er sich in einem vom Hinduismus und Islam dominierten Gebiet natürlich in ein Wespennest. Diese Ideen gefielen diesen beiden Religionen nämlich gar nicht und so wurden die Sikhs seit jeher unterdrückt und für ihren Glauben verfolgt und mussten ihre Religion immer wieder verteidigen. Die oft gewalttätigen und blutigen „Bekehrungsversuche“ der Nachbarreligionen resultierten in einer Verehrung und Verherrlichung des Märtyrertums und einer starken Ideologie den eigenen Glauben, wenn es sein muss auch mit der Waffe, zu verteidigen. Leider ist der Sikhismus hauptsächlich dafür bekannt und nicht für andere Grundlagen der Religion, die friedliches miteinander Auskommen, Gastfreundschaft und Gleichberechtigung betonen.
Folgende Beschreibung des Sikhismus, die wir gefunden haben trifft es eigentlich ganz gut:

„Als Eckpfeiler des Sikh-Seins gelten ein sozial ausgerichtetes Familienleben, der ehrliche Verdienst des Lebensunterhaltes sowie lebenslange spirituelle Entwicklung. Der Dienst an Mitmenschen sowie das Bemühen um Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten werden als wichtige Form der Gotteshingabe angesehen. Frauen und Männern wird eine gleichberechtigte Rolle mit gleichen Rechten und Pflichten zugesprochen.
Hingegen werden Rituale, Pilgerfahrten, die Wiederholung von Mantren oder eines bestimmten Namens für Gott sowie die Ausübung von spezifischen Yoga- und Meditationstechniken für eine tiefgehende religiöse Haltung als unwichtig eingestuft. Aberglaube, Okkultismus, Asketentum, religiöses Spezialistentum– wozu auch Priester gerechnet werden– das Mönchs- und Nonnentum sowie Mittler zwischen dem Menschen und dem Schöpfer werden abgelehnt, da jedem Menschen das Potenzial zugesprochen wird, das Göttliche direkt in sich selbst und im Alltag mit Anderen zu erfahren“ (vgl. Wikipedia, 17.07.2010)

Unser erster Eindruck von Amritsar und dem Sikhismus war auf jeden Fall ein sehr positiver: gratis Schlafmöglichkeit in der Tempelunterkunft, gratis Tempeleintritt, für alle Religionen offen, gratis Essen in der Tempelküche und wirklich freundliche Leute!
Der Tempel selbst übertraf auch alle Erwartungen. Der in der Sonne fast leuchtende goldene Tempel steht in der Mitte eines großen künstlichen Teichs. Nur eine lange Brücke verbindet ihn mit dem „Festland“. Um wirklich IN den Tempel zu kommen muss man sich ca. eine halbe Stunde mit hunderten anderen Pilgern anstellen, aber auch ein Spaziergang rund um den Teich ist faszinierend. Zu jeder Tageszeit wandern hunderte Menschen rund um den Teich, baden im heiligen Wasser (was im Gegensatz zu den heiligen Wassern des Ganges echt sauber ist), sitzen im Schatten und diskutieren oder schauen einfach nur den Fischen im Wasser zu. Den ganzen Tag werden die heiligen Gebete, die im Tempel gesungen werden live über Lautsprecher auf dem ganzen Gelände übertragen. Wir verbrachten jeden Tag viele Stunden am Tempelgelände, gingen spazieren, saßen gemütlich irgendwo im Schatten und unterhielten uns mit den unterschiedlichsten Menschen, posierten für Fotos und genossen die verkehrsfreie, saubere Umgebung (eine Seltenheit in Indien).
Ein weiteres Highlight bei unserem Besuch in Amritsar war das „Langar“, die tempeleigene Ausspeisung. Täglich werden hier ca. 60 000 Gratismahlzeiten, die mit Spendengeldern bezahlt und von Freiwilligen zubereitet werden, ausgegeben. Jeder ist willkommen (zu essen und zu spenden) und es ist wirklich eine einzigartige Erfahrung mit den Pilgermassen am Boden zu sitzen und zu essen. Was uns besonders fasziniert hat ist, wie gut organisiert das Ganze war. Von der Tellerausgabe bis zum servieren des Essens (unaufhörlich laufen Freiwillige mit Essenskübeln und Schöpflöffel durch die Reihen) bis zum anschließenden einsammeln des Geschirrs. In Schüben werden die Pilger in unterschiedliche Speisesäle geführt und abgespeist. Nachdem diese Partie mit dem Essen fertig ist, wird schon wieder für die nächste vorbereitet....und das den ganzen Tag. Einfach irre!
Alles in allem war unser Besuch in Amritsar wirklich lohnenswert. Der Goldene Tempel gehört eindeutig zu unseren Highlights in Indien!

Indien: Jaisalmer





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Jaisalmer stellte sich als viel kleiner und gemütlicher als Jodhpur heraus. Die kleine Stadt mitten in der Wüste vermittelt fast so was wie ein Outpostfeeling. Auch hier gibt es ein enormes Fort, das über der Stadt thront. Im Unterschied zu Jodhpur ist dieses Fort jedoch noch zum Großteil bewohnt. Wenn man durch die kleinen Gassen der Stadt wandert fühlt man sich irgendwie in der Zeit zurückversetzt - Alte Havelis (Häuser reicher Geschäftsleute) mit ihren wunderschönen, fein verzierten Sandsteinfassaden drängen sich dicht an dicht, Kamele trotten durch die Straßen und Männer mit großen bunten Turbanen sitzen in alten Hauseingängen. Man kommt sich teilweise fast vor wie mitten in einem Märchen aus 1000 und 1 Nacht.
Die meisten Touristen kommen nach Jaisalmer um eine Wüstensafari zu machen. Warum man aber genau hier eine Wüstentour machen sollte ist uns schleierhaft...Wir haben schon viele Wüsten gesehen und die rund um Jaisalmer gehört echt nicht zu den beeindruckendsten – weite sandige Ebenen mit spärlichem Grasbewuchs, kleine Dörfer und in der Trockenzeit brach liegende Felder. Mit Ägypten (und dem großen Sandhaufen namens Sahara) in Aussicht konnten wir auf diesen Kamelritt hier echt verzichten.
Bei unserer Ankunft in Jaisalmer wurden wir gleich mal von einem Sandsturm begrüßt. Die ganze Stadt lag hinter einem graugelben Schleier aus feinstem Staub, der überall hineinkriecht und alles bedeckt. Unser Hotelzimmer war völlig eingestaubt. Es waren nicht nur alle Ablageflächen, der Boden und die Vorhänge völlig verstaubt, sondern auch die Leintücher, Fensterscheiben und sogar die Kloschüssel waren in eine dünne Staubschicht gehüllt – der Alptraum eines jeden Allergikers!
Am nächsten Tag hörte der Sandsturm abrupt auf und wurde von einem, für diese Jahreszeit untypischen, Regen abgelöst. Das versetzte ganz Jaisalmer in Volksfeststimmung: es war angenehm kühl, der Staub wurde aufgewaschen und Kinder nutzten die Gelegenheit für einen lustigen Badespaß auf der Straße! Der nette Nieselregen ging aber bald in einen Schütter über, der für 2 Tage nicht aufhörte. In einer Stadt, die auf so ein Klima nicht ausgelegt ist hat das interessante Folgen. Durch unsere Zimmerdecke regnete es als hätte jemand die Dusche aufgedreht, ein Dorf in der Nähe von Jaisalmer stand 3 Meter unter Wasser, die Zugschienen wurden auf einem Streckenabschnitt weggespült und die Straßen waren teilweise so tief unter Wasser, dass ein wegkommen aus Jaisalmer unmöglich war.
So saßen wir zwangsläufig in der Wüste fest – wegen Überflutungen!!!
Gott sei Dank gibt es echt blödere Orte zum Festsitzen. Wir nutzten die Zeit und ließen uns neue Brillen machen. Maritas Brillenbügel war einige Wochen zuvor gebrochen und unsere Gläser waren nach 3 ½ Jahren nicht unbedingt schonender Behandlung ziemlich zerkratzt. So bekam Marita eine komplett neue Brille und Kevin neue Gläser für seine alte Brille – gut 70€ für ein Brillengestell und 2 Paar kratzfeste, antispiegelbeschichtete, ultraleichte Kunststoffgläser ist nicht schlecht, oder?
Nach etwa einer Woche in Jaisalmer war die Straße wieder frei und wir konnten endlich weiterreisen – Nächster Stopp: der Goldene Tempel in Amritsar!

Samstag, 17. Juli 2010

Indien: Jodhpur





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Nach Agra wollten wir weiter in den Wüstenstaat Rajastan. Wir hatten von vielen Leuten gehört, dass wir uns die mittelalterlichen Städte und die gigantischen Festungen nicht entgehen lassen sollten. Gleichtzeitig wurden wir aber auch gewarnt, dass gerade die Zeit vor dem Monsun die heißeste Zeit in der Wüste sei und es unmöglich wäre es dort auszuhalten. Wir hatten die 47ºC in Varanasi und Aurangabad überlebt, weswegen wir zuversichtlich waren es auch in Rajastan zu schaffen. Und es stellte sich als halb so schlimm heraus. Die Hitze hatte sogar einen eindeutigen Vorteil – touristisch war total tote Hose, was nicht nur die Unterkunftspreise niedrig hielt, sondern uns auch das Gefühl gab, die einzigen Weißnasen in ganz Rajastan zu sein...
Als erstes fuhren wir in die berühmte blaue Stadt, Jodhpur. Hier hat es sich irgendwie eingebürgert die Häuser in einem netten himmelblau zu streichen, was einen echt hübschen Kontrast zum braun, gelb und grau der umliegenden Wüste bildet. Über der Stadt thront eine gigantische Festung. Wir hatten zwar vor, sie auch von innen zu besichtigen, die hohen Eintrittspreise und die Kreditkartenhinterlegung (traue keinem außer Mami, und die ist weit, weit weg!) für den im Eintrittspreis enthaltenen Audioguide hielten uns aber dann doch davon ab.
Die hohen Eintrittspreise waren in Indien sowieso oft ein Grund für uns das Sightseeing-Programm zu spritzen. Wir sehen einfach nicht ein, dass wir für ein kleines Museum oder einen unbedeutenden Tempel 250Rs (4,4€) zahlen, während Inder für 10Rs (0,17€) reinkommen. Außer dem Fort hat Jodhpur nicht sonderlich viel zu bieten und auch die Futterlage stellte sich als schwierig heraus. Außer dem weltberühmten Omlette-Mann gab es im Umkreis von 2km von unserem Hotel kein günstiges Essen...und immer nur Omelettes ist auch langweilig. Zur Erklärung: der Omlette-Mann ist ein Typ, der draufgekommen ist, dass sich günstige Omlette-Sandwiches an Touristen besser verkaufen als die ewig gleichen indischen Curries. Irgendwie hat er es einmal in einen Lonely-Planet-Reiseführer geschafft und nun vermarktet er seine Eierflatschen mit Stolz und Begeisterung an internationale Touristen – inklusive laminierten Zeitungsausschnitten in unterschiedlichsten Sprachen und eigener Businesscard!
Nachdem wir uns also an Omletten-Sandwiches abgegessen hatten, fuhren wir weiter nach Jaisalmer.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Agra und das Taj Mahal...

Kein Indienaufenthalt wäre komplett ohne den Besuch des Taj Mahals. Auch wir wollten uns diesen riesigen Marmorbau, der von vielen als das schönste Gebäude der Welt bezeichnet wird, nicht entgehen lassen.
Wir kannten das Taj Mahal natürlich schon von vielen Bildern, Postern und Fotos, wo es immer irgendwie gleich hübsch, weiß und edel aussieht und erwarteten genau das zu sehen. Doch als wir dann wirklich davor standen... - WOW!!! So riesig, so prunkvoll und so erhaben KANN ein Gebäude eigentlich gar nicht sein!
Das Taj Mahal wurde von Shah Jahan als Grabmal für seine zweite Frau erbaut, die bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. Der Bau des Taj Mahals dauerte 8 Jahre (wobei es 22 Jahre dauerte um die gesamte Anlage fertigzustellen). Kurz nachdem die Bauarbeiten abgeschlossen waren wurde Shah Jahan von seinem eigenen Sohn Aurangzeb gestürzt und im nahe gelegenen Agra Fort eingesperrt. Vom Fort aus sieht man auf das etwa 1,5km entfernte Taj Mahal. So konnte Shah Jahan wenigstens auf das Grabmal seiner Geliebten blicken...und das jeden Tag, bis zu seinem eigenen Tod.
Jeder Inder kriegt einen verklärten Blick, wenn es ums Taj Mahal geht. Es ist für sie das romantischste Gebäude schlechthin – das Sinnbild für die wahre Liebe...Naja, ob man Liebe wirklich an der Größe des für den Geliebten errichteten Grabmals messen kann?...
Für uns bleiben noch ein paar Fragen:
Welches Grab hat Shah Jahan wohl für seine erste Frau gebaut?
Was hat er bei der Erziehung seines Sohnes falsch gemacht?
und
Haben es die Bauarbeiter, die das Taj Mahal bauen mussten, wohl auch so romantisch gefunden?

An der Ostküste Indiens...

Puducherry, oder Pondicherry, wie es zu Kolonialzeiten hieß, wird im Reiseführer als schöne französische Kolonialstadt beschrieben, die zwar all das hat, was zu einer indischen Stadt so dazugehört (Sprich: Lärm, Chaos, Dreck und viel zu viele Leute), aber immer noch ein ganz besonderes Flair besitzt. Die indische Stadt hatten wir gleich auf den ersten Blick gefunden...das Flair suchten wir vergebens. Es stehen zwar ein paar alte Kolonialbauten in der Gegend herum, aber die meisten von ihnen wurden einfach in teure Hotels oder Restaurants umgewandelt. Der Strand von Puducherry ist nichts Besonderes und Essen ließ sich auch kein vernünftiges auftreiben. Nach einem Tag Sightseeing (oder besser gesagt Sights suchen und nicht finden) fuhren wir weiter ins nahe gelegene Mamallapuram.
In diesem kleinen Nest gibt es zwar auch nicht viel zu sehen oder zu tun, aber es ist wenigstens ruhig und günstig. Eigentlich hätten 2 Tage für diese kleine Ortschaft völlig ausgereicht, aber da im Moment Ferien in Indien sind und die Züge schon Wochen im Vorhinein ausgebucht sind, mussten wir uns das Ticket von Chennai (nahe Mamallapuram) nach Agra (im Norden, am anderen Ende von Indien) schon in Hampi checken. Da wir uns dort mit der Reiseplanung etwas verschätzt hatten, bzw. für einige der Stopps mehr Zeit als nötig eingeplant hatten, hatten wir 6 Tage zum Todsitzen. Aber es gibt sicher noch blödere Orte dafür als Mamallapuram. Wir hatten ein nettes Zimmer in einer privaten Lehmhütte außerhalb des Ortes, wo wir nach den vorhergegangenen anstrengenden Reisetagen so richtig ausspannen konnten. Wir verbrachten unsere Tage mit nichts tun, spazieren gehen und der Besichtigung der umliegenden Tempel (die nach denen von Hampi wirklich mickrig wirkten).
An einem Tag fuhren wir zur nahe gelegenen „Crocodile Bank“, einer Aufzuchtsstation für Krokodile, Gaviale und andere Panzerechsen aus der ganzen Welt.
Nachdem wir die 6 Tage rumgebogen hatten ging es mit dem Bus nach Chennai. Von dort nahmen wir einen Zug einmal quer durch Indien, nach Agra im Norden des Landes – 31 Stunden im Zug, über 2000km Strecke...für knappe 9 Euro pro Person! In Indien ist Zugfahren echt leistbar...

Tiruvannamalai - der Feuershivatempel

Indien ist ein Land, in dem Gegensätze oft unmittelbar aufeinander treffen - verschiedene Religionen, unterschiedliche Traditionen und komplett gegensätzliche Kulturen. Immer wieder stolpert man von einer Welt direkt in die nächste. Wir hatten genau so einen Religions- und Kultursprung als wir nach dem Besuch im Ashram direkt nach Tiruvannamalai zu einem Hindutempel fuhren, in dem Shiva als brennender Lingam (Phallus) verehrt wird. In Tiruvannamalai, einer der 5 wichtigsten Shiva-Städte, wird dieser Gott in seiner Feuerinkarnation verehrt. Das besondere an der gigantischen Tempelanlage ist nicht nur ihre Größe (ein Tempelgelände von 10 Hektar ist nicht zu verachten), sondern auch die Tatsache, dass das einer der wenigen Tempel in Indien ist, bei dem man auch als Nicht-Hindu bis ins allerheiligste Tempelinnere darf. Und dann beinhaltet das auch noch einen ewig brennenden Phallus – Das mussten wir uns ja einfach ansehen!
Wir kamen im strömenden Regen in Tiruvannamalai an - einer der ersten Vorboten des Monsuns, der Ende Mai das Festland von Indien erreichen und sich dann langsam von Süden nach Norden arbeiten wird. Da es einer der ersten Regengüsse der Saison war, wusch er die Straßen mal kräftig auf und alles, was sich da in den letzten Monaten an Dreck, Urin, Fäkalien, Müll und Co angesammelt hatte lief in einer dunkelbraunen Suppe knöcheltief die Straßen hinunter – Waren wir froh in diesem Moment in einer Motor-Riksha zu sitzen!
Als wir am nächsten Morgen den Tempel besichtigten regnete es noch immer leicht, was der ganzen Anlage ein besonders schräges Flair gab. Der Tempel ist konzentrisch aufgebaut – je tiefer man hineingeht, umso heiliger wird es. Im ersten Ring kämpfen noch Verkäufer und Bettler um die Aufmerksamkeit der Tempelgeher, aber je weiter man, über Gänge, Korridore und kleine Plätze ins Tempelinnere vordringt umso mystischer wird die Stimmung. Im innersten Tempel, dort wo der Lingam brennt, muss man sich dann in einer langen Schlange anstellen, um dann letztendlich einen kurzen Blick darauf erhaschen zu können. In diesen verrauchten, von Ruß und Räucherwerk geschwärzten Hallen befindet man sich in einer fremden Welt. Der Steinboden ist blank poliert von abertausenden Pilgern, zu den Füßen der Statuen liegt weißes Pulver, oder Asche, das sich die Gläubigen auf die Stirn drücken, kein Sonnenstrahl ist je in das tiefste Innere des Tempel vorgedrungen und die Hitze der Flammen in den engen Kammern ist erdrückend. Wir kamen uns vor wie Besucher in einer völlig anderen Zeit, wie Zeugen eines alten, längst ausgestorbenen Kults mit geheimnisvollen Ritualen und Göttern....Und im Grunde ist es eigentlich nur ganz normaler Hinduismus, wie er von Millionen von Menschen jeden Tag praktiziert wird, nur dass du das als Tourist meist nicht zu sehen bekommst.
Der Feuerlingam war übrigens nicht so spektakulär...die Tempelstimmung wars aber allemal wert hier einen Zwischenstopp einzulegen.